Mediale Aufstellungen

Schwierigkeiten in Alltagsbegegnungen und -beziehungen, Schwierigkeiten in Familienbeziehungen und Partnerschaften gehen häufig - aber nicht nur- auf grundlegende und weitgehend unbewusste innere Konflikte zurück. Diese können uns als ein unstimmiges oder unangenehmes Gefühl im Alltag begleiten, dessen wir uns jedoch oft gar nicht ganz bewusst sind.

Mediale Aufstellungen sind eine Form der systemischen Aufstellungsarbeit für die Einzelsitzung, die diese Konflikte auf eine direkt sichtbare und beobachtbare Ebene bringen. Dabei wird häufig ein einziger, dominierender Konflikt, also ein einziges Beziehungsthema, sichtbar.

 

Diese Form der Aufstellungsarbeit habe ich mir weder ausgedacht noch nachempfunden, sondern diese Methode war im Jahr 2008 plötzlich in meinem Wissen und Handeln enthalten. Umgesetzt habe ich sie mit Zählstäben für Kinder im Grundschulalter. Diese Zählstäbe haben unterschiedliche Höhen und Farben, jedoch gleiche Formen, und konnten so bisher jeden beliebigen Konflikt, der bei meinen Klienten auftauchte, exakt nachbilden. Zumeist sind dabei nur ein oder zwei verschiedene Zählstäbe nötig, das in sich unerkannte oder abgelehnte - im Sinne von verdrängte- Problem aufzustellen. Inzwischen gelingt es mir manchmal, das Vorgehen so einfach darzustellen, dass Klienten zuweilen auch selbst mit einer solchen Methode für sich weiterarbeiten können. Es gilt, sich in das Kernthema, die Essenz, den roten Faden in der Geschichte der Problematik einer Person bzw. einer Familie nicht hineinzudenken, sondern hineinzufühlen. Vor allem kindliche Beziehungsthemen zu den Erwachsenen, Geschwisterrivalitäten, Opfergefühle, Themen von Nichtgesehenwerden sowie ungeborene Kinder in der Ahnenreihe können dabei die entscheidende Rolle spielen.

 

Mediale Aufstellungen sehe ich heute als eine sehr tiefe Form der Lösung von Emotionen. Nachwirkungen geschehen nicht nur kurzfristig, sondern lösen häufig lawinenartige Heilraktionen aus und müssen zuweilen auch von mir weiter begleitet werden. Dies beinhaltet vor allem, dass ich Klienten ermutige, die ablaufenden Prozesse im Sinne neu auftauchender Gefühle bzw. Emotionen zuzulassen und loszulassen. Alle Klienten können sich in diesem Prozess jederzeit im Nachhinein an mich wenden, können sich vergewissern, auf dem "richtigen Weg" zu sein, und erhalten bei Bedarf Hilfe zur emotionalen Stabilisierung.

 

Wie gehe ich vor?

 

In einem ersten Schritt biete ich denjenigen Klienten oder Klientinnen, denen die Aufstellungsarbeit neu ist, an, den berichteten Konflikt zunächst selbst, d.h. aus eigener derzeitiger Sicht, in einer Sitzung aufzustellen. Dieser erste Teil der Arbeit kann schon eine Fülle an Material und neuen Impulsen liefern. Jedoch bringt häufig genau die symptomausgerichtete Alltagsbetrachtung des Klienten, die ja auch dem Problem entsteht, nicht die tiefstgehende Betrachtung und Lösung des Problems, bereitet diesem aber unter Umständen einen guten Weg und ist damit eine gute Vorbereitung.

 

So kann das eigentliche mediale Vorgehen meist erst in der zweiten Sitzung an der Reihe sein. Während wir dazu neigen, sogenannte Probleme häufig detailreich und hintergründig bzw. in ihrem Zeitverlauf zu beschreiben, ist es wie gesagt die Absicht einer Sitzung zur medialen Aufstellung, den Kern oder das Ur-Thema eines Problems auf der emotionalen Ebene bewusst wahrzunehmen und sichtbar werden zu lassen. Für den aufmerksamen und präzise fühlenden Beobachter ergeben die emotionalen Informationen, die der Klient selbst in die Sitzung mitbringt, eine vereinfachte Repräsentation des Problems auf der Aufstellungsebene. Diese Repräsentation ist häufig eine drastisch vereinfachte Situation des geschilderten Problems. Der für den Klienten / die Klientin so dringliche Konflikt ist nun sichtbar geworden auf der "Aufstellungsebene".

 

Diese Situation kann nun auch vom Klienten bewusst wahrgenommen und über eine gewisse Zeit hinweg beobachtet und betrachtet werden. Häufig entsteht beim Klienten sofort ein Gefühl von Stimmigkeit und Gefühlsresonanz, sowie direkt anschließend von emotionaler Betroffenheit und der Beginn der Lösung emotionaler Prozesse. D.h. es kann Traurigkeit auftreten, ohne zu wissen, warum zwei Objekte, die in geringem Abstand zueinander auf dem Tisch stehen, oder gar nur ein Objekt, das auf dem Tisch liegt, dies überhaupt auslösen können. Dazu kann auch gehören, dass der Klient zunächst Langeweile oder Sinnlosigkeit bzw. Verwirrung empfindet in der Betrachtung der Auftstellung. Dies ist in den meisten Fällen als eine Art Abwehrmechanismus zu bewerten, um sich nicht mit den lange verdrängten Emotionen konfrontieren zu müssen.

 

Man könnte hier sogar von mehreren Emotionsebenen sprechen, die bei Betrachtung der Aufstellung üblicherweise zu durchqueren sind. Diese sind normalerweise im Alltag zwar grundsätzlich auch zugänglich, werden aber eben dort meist nicht "durchgangen" oder nachvollzogen. Ich sage daher häufig, dass wir keine - oder sehr viel weniger- Blockaden im Alltag erleben und empfinden würden, wenn wir in jedem Moment alle Gefühle "zuendefühlen" würden. Ziel ist immer die Lösung der beteiligten, bisher verdeckten und festgehaltenen Emotionen und damit die tiefgreifende Transformation des ursprünglichen Kernkonflikts mit seinen mannigfaltigen Auswirkungen im Alltag. Mediale Aufstellungen können meiner Erfahrung nach tiefste Emotionalkörperprozesse in Gang setzen, die zuweilen tage-, wochen- aber auch manchmal monatelange Nachwirkungen im Sinne einer Neubalancierung der Emotionen in sich tragen können.

 

Man könnte Mediale Aufstellungen als eine Form der Homöopathie für einen Konflikt bezeichnen. Denn sie hat das Ziel, auf geistiger Ebene die Essenz eines Problems zu repräsentieren, dieses erlebbar zu machen (hier im Unterschied zur Homöopathie: bewusst erlebbar zu machen), und aufgrund dieses bewussten Erlebens von Resonanz veränderbar werden zu lassen. Neben dem Schaffen von Resonanz als Lösungsinstrument geht es in dieser Aufstellungsform häufig auch darum, unterschiedliche an dem Konflikt beteiligte Emotionen als getrennt voneinander wahrnehmen zu lernen.

 

Unterschiede zu anderen Formen der Aufstellungsarbeit:

 

Während in einer klassischen Familienaufstellung - bekannt geworden durch Bert Hellingers frühere Arbeit- in einer Gruppe gearbeitet wird und für den betreffenden (Beziehungs-) Konflikt Stellvertreter ausgewählt werden, sind in einer therapeutischen Sitzung üblicherweise keine weiteren Menschen anwesend, die das Thema auf die Aufstellungsebene übersetzen könnten. Meine Einzelaufstellungsarbeit mit Medialen Aufstellungen bringt vor allem innerpsychische Konflikte ans Tageslicht, das allgemein bekannte Familienstellen ist vorrangig auf das Erhellen familiendynamischer Muster und in der Ahnenreihe schwelender Konfllikte ausgerichtet. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass jede Form des Familienstellens eng mit dem Hintergrund der aufstellenden Person verbunden ist und damit von Aufstellungsleiter zu Aufstellungsleiter deutliche Unterschiede in den Betrachtungsebenen eines zu lösenden Konflikts sichtbar werden.

 

Kurzer begrifflicher Nachtrag: Mittlerweile wird meiner Information nach auch das Neue geistige Familienstellen von Bert Hellinger (meiner Ansicht nach sehr zutreffend) als "Mediales Familienstellen" benannt.

 

Rechtliche Hinweise für die Arbeit mit Aufstellungen bei körperlichen oder psychischen Erkrankungen:

 

Im Rahmen der Arbeit mit Aufstellungen werden keine Versprechungen abgegeben, dass eine Heilung oder ein Erfolg stattfindet. Es ist dem Klienten / der Klientin bekannt, dass die Aufstellungsarbeit nicht auf medizinischer Grundlage durchgeführt wird. Dies bedeutet, dass eine Aufstellung eine ärztliche oder medizinisch- heilpraktische Behandlung bzw. Diagnose nicht ersetzt.